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Posted: 21.05.2007, 19:37 Reply with quote
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Goran Bregovic
Will man den Künstler Goran Bregovic beschreiben, ist es wichtig, bei seinen Wurzeln anzufangen. Geboren wird er am 22. März 1950 in der bosnischen Stadt Sarajewo. Als Sohn einer serbisch-kroatischen Ehe, steht seine Herkunft stellvertretend für die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit dieses Teils des Balkans. Von seinen Eltern bekommt Klein-Goran eine Gitarre geschenkt und damit war es um ihn geschehen. 1966, mit sechzehn Jahren, schließt er sich der Formation "Bestije" an, die er jedoch bereits zwei Jahre später wieder verlässt, um erst bei "Kodeks" und dann beim Trio Mica, Goran und Zoran weiter zu spielen.

Am Konservatorium studiert er mehrere Jahre Violine, fliegt dort jedoch wegen dauernden Fehlens wieder raus. Nach einem kurzen Intermezzo als Philosophiestudent gründet er seine erste eigene Band "Jutro" (deutsch: Morgen). Die Namensänderung in "Bijelo Dugme" (auf deutsch: "weißer Knopf") erfolgt dann, als Fans bei Konzerten den größten Hit der Band "Kad bih bio Bijelo Dugme" skandieren. Damals war noch nicht abzusehen, dass diese Band zu einer der einflussreichsten und bekanntesten Formationen im gesamten Ostblock avancieren sollte. In ihren Rock-Sound integrieren die Musiker von Bijelo Dugme auch folkloristische Elemente der Heimat. Bregovic gilt als Kopf und Star der Gruppe und ist somit auch für diese Experimente verantwortlich.

Dass die Integration von traditionellen Klängen des Balkans nicht nur Effekthascherei ist, offenbart sich in Bregovics späterem Schaffen. Die Formation feiert einen Erfolg nach dem anderen und zieht die Fans in ihren Bann wie keine andere Rockband aus Jugoslawien zuvor. Es hagelt Gold- und Platinplatten, bis Bregovic 1985 die Schnauze von Rockmusik gestrichen voll hat und aussteigt. 1988 löst sich auch Bijelo Dugme auf. Der Kosmopolit zieht sich erst einmal in sein Haus auf einer kleinen Adriainsel zum Fischen zurück, bis ihn der Krieg aus seiner Isolation wieder heraus holt. Ein Großteil seines Privatvermögens, das aufgrund der Bijelo Dugme-Karriere stattlich ist, wird gesperrt. Somit muss sich der Star Bregovic dieser neuen Situation stellen und sich überlegen, womit er jetzt seine Brötchen verdienen möchte.

Die Zusammenarbeit mit dem jugoslawischen Filmemacher macht ihn weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt. Mit Filmmusik hatte er bereits Erfahrungen gesammelt, 1978 hat Bregovic für Mica Milosevics "Nije Nego" den Score geschrieben, seine Arbeit mit Kosturica sollte jedoch weitaus aufsehenerregender werden. Für "Time Of The Gypsies" komponiert er die kongeniale Begleitmusik, ohne die der Film nur halb so schön geworden wäre. Hier zelebriert Bregovic das musikalische Vermächtnis des Balkans. Ethnische Barrieren existieren in diesem Kontext nicht mehr.

Alles fließt ineinander, stets getragen von den emotionalen Extremen des Balkans: himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt. Dazwischen existiert nichts. Mit seinem eigenen Rock-Vermächtnis scheint er nicht mehr viel zu tun haben zu wollen, was seine weiteren Arbeiten beweisen. Neben den Soundtracks zu "Arizona Dream" (unter anderem mit Iggy Pop, Johnny Depp und Jerry Lewis) und "La Reine Margot" ist vor allem seine Arbeit für den preisgekrönten Film "Underground" hörenswert. Traditionelle Instrumente und Harmonien werden durch ihn in ein zeitgemäßes Gewand gekleidet.

Nach "Underground" zieht sich Bregovic, was Filmmusik anbelangt, wieder etwas zurück. Für Kosturicas Groteske "Schwarze Katze weißer Kater" soll ein gewisser Dr. Nelle Karajlic für die Musik zuständig gewesen sein, doch wer genau hinhört, stellt unüberhörbare Parallelen zum Bregovic-Sound fest. Für Nana Djordjazes ausgezeichneten Film "27 Missing Kisses" spitzt er nochmals die Feder, aber Filmprojekte sind nicht mehr das Hauptbetätigungsfeld des umtriebigen Tausendsassas. Bregovic fühlt sich in vielen künstlerischen Ausdrucksformen zuhause. So komponiert er auch für das Theater ("Silence Of The Balcans", das in Griechenland aufgeführt wird, "The Children's Crusade", Dantes "Göttliche Komödie" und "Hamlet", das in Hamburg am Thalia-Theater zu sehen war).

Zehn Jahre nach seinem Rücktritt zieht es den Rockmusiker Bregovic 1995 wieder auf die Bühne. Mit einer Mammut-Besetzung, die einen 50-köpfigen Chor und ein komplettes Symphonie-Orchester einschließt, geht er in Griechenland und Schweden auf Konzertreise. 1997 folgt eine Tour in "abgespeckter" Besetzung (Bregovic nimmt "nur" etwa 50 Leute mit). Als absoluter Höhepunkt spielt er am 1. Mai in Rom mit seinem Orchester vor 500.000 Zuschauern.

Mit seinem 2002 erscheinenden Album "Tales And Songs From Weddings And Funerals" zeigt Bregovic erneut, dass traditionelle Musik nicht altbacken klingen muss, was auch den Spiegel überzeugt, der die Platte in seine "Essentials"-Liste aufnimmt. Obwohl er sich jetzt vermehrt seinen eigenen Projekten widmet und viel mit seinem Mammut-Orchester unterwegs ist, findet er immer wieder Zeit für Kollaborationen. Seine Zusammenarbeit mit den polnischen Künstlern Kris Krawczyk (2002) und Kayah (2000) machen ihn in unserem Nachbarland zum umjubelten Star. Was die Zuhörer an Bregovics Musik fasziniert, ist der Faktor, dass er versucht, scheinbar Gegensätzliches zusammen zu führen, eine Fähigkeit, die auch in Zukunft interessante Musik garantieren wird.


(http://www.laut.de)
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