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flowerpower
Posted: 20.06.2007, 04:17 Reply with quote
Gender:Male Moderator Joined: 26 Apr 2007 Posts: 314 Residence:
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Balkes kleines Balkan-ABC I: A bis C

Mehr als neuer Stoff für alte Vorurteile: Ein alphabetischer Rundflug über Südosteuropa - garantiert nicht objektiv

Guten Tach, mein Name ist Balke.

Was vom Ursprung her rein garnichts mit Balkan zu tun hat, dem Gebiet, über das ich mich hier künftig auslassen werde. “Balke” geht zurück auf den Deutschordensritter Hermann von Balck (von Balcke, von Balco), genannt “der erste Preusse”, der vor knapp einem Jahrtausend auf dem Gebiet des späteren Preussen die armen Bauern und dort lebende Slawenstämme - vermutlich durch gutes Zureden - zum Christentum bekehrte.

Obwohl, Slawenstämme in Preussen? Also doch Balkan, irgendwie. Egal, wir haben jetzt andere Sorben, ich meine Sorgen.

Balkan ist ein türkisches Wort und bedeutet Gebirge. Die Krieger des Osmanischen Reiches, das weite Teile Südosteuropas zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert besetzt hatte, gaben der Region ihren Namen - vermutlich der vielen Berge wegen.

Die meisten Menschen in Rumänien, Bulgarien, Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien, haben mit dem Begriff “Balkan” kein Problem, betrachten ihn als Markenzeichen, als - Vorsicht, Denglisch - “Brand”.

Zumal jetzt, wo Slowenien, Bulgarien und Rumänien gezeigt haben, dass Balkan und Europäische Union kein Gegensatz sein müssen, auch wenn der Beitritt Rumäniens und Bulgariens in weiten Teilen des “alten Europa” eher Ängste als Jubelstürme ausgelöst hat.

Jubelstürme - was für eine Überleitung - wird hoffentlich das kleine Balkan-ABC auslösen, ein alphabetischer Rundflug über Südosteuropa in acht Teilen. Los geht es mit A bis C. Viel Spass!


A

Adria:
Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien liegen an derselben, gegenüber ist Italien. “Jadran” wird die Adria hier genannt

Albaner:
Leben in Albanien und sind in anderen Ländern der Region (Mazedonien, Rumänien) als starke ethische Minderheit vertreten. Im Kosovo, das noch zu Serbien gehört, entsteht demnächst vermutlich ein zweiter albanischer Staat. Es spricht einiges dafür, dass die Albaner von den Ureinwohnern Südosteuropas, den Illyrern abstammen. Sie sind weder slawischer, romanischer noch germanischer Abstammung

Alkohol:
Der Balkan ist ein Mekka für Freunde des gepflegten Branntweins. Sljivovic (Pflaumenschnaps), Viliamovka (Birnenbrand), usw. - kein Obst, aus dem hier nicht was Feines destilliert wird. Auch exzellente Weine werden hier angebaut - gerade in Kroatien und Slowenien


B

Bulgaren:
Leben in Bulgarien, gehören seit Anfang diesen Jahres der EU an und sind immer häufiger Gastgeber für deutsche Touristen, die an der malerischen bulgarischen Schwarzmeerküste Urlaub machen

Bosnien:
Da wurde meine Mutter geboren - neben dem Ruhrgebiet die schönste und gastfreundlichste Region der Welt

(Hallo!? Ich habe nie behauptet ich würde objektiv sein! O.k., der Vollständigkeit halber: Bosnien ist der dem Kontinent zugewandte, bergige Teil des Balkanlandes Bosnien-Herzegowina, eine Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawien. Ein Vielvölkerstaat, der bis heute noch unter den Folgen des Krieges zwischen 1991 und 1995 leidet)

Belgrad:
Hauptstadt Serbiens, die “weisse Stadt”, gelegen an der Donau

Bukarest:
Hauptstadt Rumäniens

Brac:
Kroatische Adriainsel, bekannt für das “Goldene Horn”, einen Strand, der aus der Vogelperspektive aussieht, wie ein goldenes Horn


C

Cevapcici:
500 g gemischtes Rinder- und Lammhackfleisch, eine Prise Backpulver, Salz, Pfeffer, 2 Knoblauchzehen, halbes Glas Wasser. Alles vermischen, Hackröllchen formen, zwei Stunden kaltstellen, dann grillen - und ab zum Supermarkt: 500 Gramm sind garantiert ruckzuck weg…

Cres:
Noch eine kroatische Adriainsel

(Fortsetzung folgt)

Soviel zum Anfang, liebe User. Schönen Samstag noch und Gruss aus dem sonnigen Zagreb,

Ihr Christian Balke

(P.S.: Am Ende noch eine ernstgemeinte Bitte in eigener Sache: In diesem Blog ist nicht Politik das Thema.
Ich bitte Sie deswegen darum, jegliche Art von ethnischen, ehrverletzenden oder politisch motivierten Beleidigungen zu unterlassen.
Ethnisch motivierte oder sonstige Beleidigungen, Hetze oder Provokationen werden dem Webmaster gemeldet und sofort gelöscht.
Freue mich auf Ihre Fragen oder Kritik und werde gern und so schnell wie möglich Antworten)

Tage-, nächtelang den Kopf zerbrochen - was weiter schreiben? Dann, plötzlich die spontane Eingebung: Nach a, b und c - weiter mit:

D

Drina:
Gebirgsfluss an der Grenze Bosnien-Herzegowinas zu Serbien. Der bosnische Literatur-Nobelpreisträger Ivo Andric wurde für sein Epos “Die Brücke über die Drina”, eine Chronik der Zarenbrücke in der Stadt Visegrad, mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet

Drnovsek, Janez:
Präsident Sloweniens und ehemaliger Premierminister. Machte in den vergangenen Monaten Schlagzeilen wegen eines kuriosen Gesinnungswandels. Der ehemals pragmatische bürgerliche Politiker schlüpft Woche für Woche in eine neue, bunte Rolle: Setzt sich für mehr Blumenbeete in Sloweniens Hauptstdt Ljubljana ein, arbeitet als Lobbyist für radikale Vegetarier und referiert über ausserirdische Lebensformen. Die Slowenen sind geschockt, aber auch irgendwie amüsiert

Donau:
Die Dunav, wie sie hier genannt wird, fliesst durch Ungarn nach Kroatien, vereinigt sich bei Vukovar mit dem ungarisch/kroatischen Grenzfluss Drava, und von dort weiter nach durch die Vojvodina nach Serbien. Das “serbisches Meer” ist Lebensader für die fruchtbaren Felder der Vojvodina, wichtiger Verkehrsweg für die Binnenschiffahrt und für zahlreiche serbische Familien, die vom Fischfang leben, die Haupteinnahmequelle

Donausschwaben:
Deutsche Bauern und Handwerker, grösstenteils aus dem heutigen Baden-Württemberg, sahen in der Donau im ausgehenden 17. Jahrhundert den Weg in eine bessere Zukunft. Verarmt durch die Folgen des Dreissigjährigen Krieges, kam das Ersuchen der habsburgischen Krone an die Deutschen, sich am südlichen Lauf der Donaus anzusiedeln, gerade recht.
Im heutigen Ungarn, Kroatien und Serbien fanden tausende Deutsche zwischen 1690 und 1750 eine neue Heimat. Auf Flössen fuhren die “Donauschwaben” samt ihrem armseligen Hab und Gut den Strom hinab, siedelten sich im Banat, der Backa und der Vojvodina an. Dort prägten sie Kultur, Architektur und Lebensart Jahrhunderte lang.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie von Stalin und Tito unter Kollektivschuld gestellt und aus Südosteuropa vertrieben. Zeugen ihrer Kultur sind heute noch Architektur, Denkmäler und die deutschstämmigen Familiennamen jener, die unter dem Druck der Kommunisten in Ungarn und Jugoslawien ihre deutsche Herkunft leugneten und bleiben durften

Destillat:
Lecker Obstbrände aus Pflaumen, Birnen, Feigen…
Moment. Das hatten wir ja schon unter A, wie Alkohol!

Dubrovnik:
Hafenstadt im Süden Kroatiens, deren historische Altstadt von der Unesco ins Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Dubrovnik, das jahrhundertelang wie Venedig eine eigene kleine Adria-Republik war, hat sich in den vergangenen Jahren zum begehrten Urlaubsziel der internationalen Schickeria entwickelt. Tom Cruise, Steven Spielberg, Roman Abramowitsch, Gerard Depardieu, John Malkovitch und Schumi, alle die haben sich hier ansehnliche Residenzen zugelegt

E

Eile:
Gibt es hier nicht. Jemanden freundlich dazu anzuhalten, wird als Unverschämtheit empfunden. Sie selbst zu üben, trägt zu spontaner Belustigung der Mitbürger bei

E-kavisch:
Ist die sprachwissenschaftliche Bezeichnung dessen, was heute als “Serbische” Sprache bezeichnet wird. Milch heisst auf serbisch “mleko”, auf kroatisch (Ije-kavisch) “mlijeko”. In Dalmatien, etwa, wird oft i-kavisch gesprochen, dort sagt man “mliko”

Essen:
Die Zeiten, wo man Balkanküche mit “Gegrilltes Fleisch + Pommes + Dzuwetschreis” gleichgesetzt hat, sind vorbei.
Jede Region Südosteuropas hat ihre eigene, traditionelle Küche. Die Einflüsse auf die lokalen Spezialitäten sind oft türkischen und italienischen Ursprungs, die Rezepte jedoch lokal verwurzelt und jahrhundertealt.
Wer bisher etwa geglaubt hat, echter Parmesan sei ohne Konkurrenz, der sollte “Livanjski sir”, Hartkäse aus dem bosnischen Livno, kosten. Ein Paradies für Gourmets, für Freunde des Trüffels, der Seezunge und zarten Lammfleisches, ist die Halbinsel Istrien, die nicht ohne Grund als “Kroatiens Toskana” bezeichnet wird

Euro 2012:
Für die hatten sich Kroatien und Ungarn beworben. Gejubelt wurde in Polen und der Ukraine

F

Fischreichtum:
Seit Jahren tobt auf kroatischen und Montenegrinischen Hoheitsgewässern an der Adria jede Nacht ein Fischereikrieg. Weil die italienischen Fischgründe an der Adria praktisch leergefischt sind, kommen Nacht für Nacht italienische Fischer illegal in kroatische und montenegrinische Gewässer. Die sind (noch) voll mit Seebrassen, Seeteufeln, Seezungen, Thunfischen, Seehechten, Barschen und Calmaren

Flüsse:
Hunderte Quellen, aus denen Gebirgsflüsse entspringen, Canyons, Wasserfälle - die Natur Südosteuropas wäre nicht vorstellbar ohne die eiskalten, oft noch glasklaren Ströme, die sich wie Adern durch die waldigen Gebirgsmassive ziehen. Bedroht wird diese malerische Natur zum einen durch teilweise unkontrolliert betriebenen Kanu- und Rafting-Tourismus, zum anderen durch industrielle Umweltverschmutzung und fehlende Senisibilisierung der Einheimischen für den Umweltschutz



G

Gusle
In Südkroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien weit verbreitetes Musikinstrument, ähnlich der Gitarre, jedoch nur mit vier Saiten. Die mit ihrem Instrument wandernden Musiker, “Guslari” genannt, tingelten in Südosteuropa jahrhundertelang über die Dörfer und sangen zur Musik von Heldentaten und Freiheitskampf.

Gorenje
Slowenischer Haushaltsgerätehersteller und eine der wenigen Firmen, die bereits zur Zeit des ehemaligen Jugoslawien in Westeuropa einen guten Ruf hatte.

Goran Bregovic (Hätte eigentlich unter “B” gehört, da habe ich Ihn vergessen...)
Rock- und Filmmusiker aus Sarajevo. Bregovic, genannt “Brega”, war Mitbegründer und Kopf der legendären bosnischen Rockband “Bijelo Dugme” (Weisser Knopf), die in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mehr Platten verkaufte, als Westernhagen, Nena und Grönemeyer zusammen.
Rockmusik westlichen Zuschnitts, gepaart mit Elementen der traditionellen bosnisch-herzegowinischen Volksmusik, der “Sevdalinka”, machten die Band zur mit Abstand erfolgreichsten in Südost- und Osteuropa. Selbst in Russland, Griechenland und Italien verkauften Bregovic und Co. hunderttausende Tonträger.
Ende der Achtziger zerbrach die Band und Goran Bregovic widmete sich der Filmmusik. Eigentlich eher zufällig, denn ein Jugendfreund aus Sarajevo, der Filmemacher Emir Kusturica, suchte einen Komponisten. Kusturicas Filme ("Vater auf Dienstreise”, “Ballade von Dolly Bell”, “Zeit der Zigeuner”, “Underground”. “Schwarze Katze - Weisser Kater") räumten in den Achtzigern und Neunzigern auf jedem grossen europäischen Filmfestival Preise ab. In Kusturicas Schatten wurde Bregovic zu einem der meistgebuchten Filmmusiker in Frankreich, England und USA.
Gemeinsam mit seiner Balkan-Kapelle “Für Hochzeiten und Begräbnisse” ist Bregovic heute häufig bei Weltmusik- und Ethno-Festivals zu Gast. Von Sarajevo, der Stadt, die ihn gross gemacht hatte, wendete sich Bregovic während der serbischen Aggression zwischen 1991 und 1995 ab, ebenso wie Emir Kusturica. Beide leben heute in Belgrad.

Gorski kotar
Der Gorski kotar ist eine Gebirgslandschaft im Nordwesten Kroatiens und grenzt im Westen an das kroatische Küstengebiet. Auf der durchschnittlich 700 bis 900 Meter hohen Ebene steigen einige Berggipfel bis auf über 1500 Meter empor. Die Hochebene steigt steil über der Kvarner-Bucht auf, während der Zugang aus dem Landesinneren wesentlich sanfter und abgestufter ist. Bei ausgeprägtem Gebirgsklima herrschen im Dezember, Januar und Februar Minusgrade während die jährliche Durchschnittstemperatur 8 Grad Celsius beträgt.
Die Winter sind lang, streng und mit einer Schneedecke, die im Schnitt 106 Tage im Jahr liegen bleibt. Die Sommer sind kurz, frisch und relativ angenehm. Feuchtigkeit ist reichlich vorhanden, was den üppigen Waldbewuchs begünstigt und häufigen Nebel verursacht.
Landschaftlich betrachtet überwiegt der “grüne Karst”, d.h. auf den Felsen aus Kalk und Dolomit verbleibt eine dünne Humusschicht, deren chemische Zusammensetzung und Tiefe vorwiegend den Buchen-, Wacholder- und Tannenkulturen entspricht, wobei die Bodenkonfiguration sowie die Windrichtung genügend Feuchtigkeit bzw. Niederschläge sichert, so dass alles zusammen eine fast geschlossen begrünte Landschaft ergibt. Im Gorski Kotar befindet sich auch das Ski- und Erholungsgebiet von Bjelolasica. Die Tierwelt im Gorski kotar ist artenreich und ursprünglich, Braubären und Wölfe sind keine Seltenheit. (Besten Dank auch an Wikipedia!)

Gibonni
Zlatan Stipisic Gibonni ist ein populärer kroatischer Musiker und UNICEF-Botschafter seines Landes. Bereits während seiner Schulzeit beginnt Gibonni mit verschiedenen Bands aus Split aufzutreten. Die bekannteste Band ist “Osmi Putnik” (Der achte Passagier). Zwischen seinem 16. und 19. Lebensjahr wirkt er hier als Sänger und Komponist mit. In dieser Zeit bringt die Band insgesamt drei Alben heraus.
Die Jahre 1989 und 1990 verbringt Gibonni in Berlin, als Mitglied der Band V2. Während dieser Zeit entsteht das Album “Out to lunch”. Seinen grossen Durchbruch feiert der dalmatinische Sänger 1996 mit seinem Album “Ruza vjetrova” (Windrose). Internationale Beachtung erntet sein Album “Mirakul” aus dem Jahr 2001, auf dem er die Hälfte seiner Songs in italienischer Sprache intoniert.
Gibonnis Rockmusik ist geprägt von Einflüssen traditioneller dalmatinischer Musik, die gerade bei seinen Balladen deutlich werden.

H

Halva
Eine traditionelle Süssigkeit, im östlichen Südosteuropa sehr beliebt. Halva ist von der Konsistenz her so etwas wie ein historischer Vorläufer des Schokoriegels. Die Halva-Barren werden hergestellt aus geriebenen Getreidesamen - meist Sesam - , Zucker, Honig und Pflanzenöl.
Die Masse wird angereichert mit Erdnüssen, Pistazien, Kakao, Mandeln oder Vanille-Aromen. Nach dem Erhärten wird die halva in Scheiben geschnitten und bei einem leckeren Tässchen Mokka-Kaffe vernascht.
Ursprünglich handelt es sich um eine indische Leckerei, die über Persien im Gepäck der osmanischen Besatzer nach Europa kam.

Haso (& Mujo)
Mujo und Haso (früher hiessen sie Suljo und Mujo) sind so etwas wie das bosnische Pendant zu den rheinischen Originalen Tünnes und Scheel. Hunderttausende Witze über die schlitzohrigen, aber etwas trotteligen Bosniaken machen in Südosteuropa die Runde. Beispiel gefällig?

Mujo ist blank und hat Hunger. Der Stall vom Komsija (Nachbar, gesprochen “kommschija") ist aber jede Nacht voll mit frischen Hühnereiern. Da sägt Mujo eines Nachts ein Loch in die Schuppenwand, lehnt sich in den Stall hinein und greift sich die frischen Eier. Als er fertig ist, verschliesst er das Loch wieder. Das geht einige Nächte gut, bis der Komsija bemerkt, dass massenhaft Eier fehlen. Als der wütende Komsija schliesslich das Loch entdeckt, setzt er sich abends mit einem Ziegelstein bewaffnet in den Stall und wartet. Gerade an diesem Abend prahlt Mujo vor seinem Freund Haso, da seien genug frische Eier für Zwei. Haso ist sofort dabei!
Als sie beim Schuppen ankommen, lässt Mujo seinem Freund den Vortritt. Der steckt begeistert den Kopf durch das Loch in der Schuppenwand.
Pang! Des Nachbarn Ziegel trifft ihn voll auf die Zwölf!
Haso zieht den Kopf zurück, legt schluchzend die Hände vors Gesicht. “Was ist los?”, fragt Mujo. Haso keuchend: “Schau selbst nach, ich kann gerade nicht vor Lachen!"

Harmonika
Wenn man in Südosteuropa das Wort “Weltmeister” gebraucht, denken die Menschen hier nicht an deutschen Fussball, sondern an die traditionsreiche Firma, die das gute alte Schifferklavier herstellt.
Zu den frühen Abendstunden in den ländlichen Gegenden Südosteuropas gehört der Klang einer Harmonika ebenso wie Vogelzwitschern, das Plätschern eines Bächleins, Windes Rauschen in den Wäldern, Kirchengeläut oder der von fern heranklingende Ruf des Mujezin.
Im westlichen Balkanraum, in Slowenien, Kontinental-Kroatien und Teilen Ungarns, wird traditionell Harmonikamusik gespielt, die ihren Ursprung in Krain, Kärnten und der Steiermark hat und die über Jahrhunderte zu eigener, lokaler Folklore mit alpenländischem Einfluss ausgeformt wurde.
Auf dem Zentral- und Südbalkan, in Bosnien, Serbien und Bulgarien, verschmelzen in der Harmonikamusik die Einflüsse östlich-orthodoxer und osmanischer Tradition. Hauptthemen dieser Musik sind Schönheit und Urgewalt der Natur, unglückliche Liebe und die Unergründlichkeit der menschlichen Seele.

Hvar
Die grösste der kroatischen Adriainseln. Während die Inselhauptstadt Hvar sich seit Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu einem bunten Jetset-Treff für reiche Kroaten, Engländer, Russen, Italiener und (vereinzelt auch) Deutsche entwickelt hat, bieten kleinere Inselorte wie Ivan Dolac, Starigrad und Jelsa unverfälschtes mediterranes Flair.
Die Insel ist ausserdem eines der grössten europäischen Anbaugebiete für den Lavendel. Von Mai bis Juni erstrahlt die ganze Insel im violetten Glanz der Lavendelblüte.

Hajduk
Balkan-Cowboys, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Heiducken (kroat./serb. Hajduk (sing.), Hajduci (plur.)) waren ursprünglich ungarische, serbische und kroatische Rinderhirten, deren Hauptaufgabe darin bestand, Viehtriebe vor den Übergriffen türkischer Krieger, Räuberbanden oder sonstiger Spitzbuben zu beschützen.
In der Habsburger Monarchie wurden ihre Fähigkeiten im Kampfe zu Pferd oder zu Fuss hoch geschätzt. Der Wiener Hof bildete ab dem 16. Jahrhundert eigene Heiducken-Kampfverbände, die speziell an den Aussengrenzen des Reiches operierten und in von den Osmanen okkupierten Gebieten Sabotageakte durchführten.
Ganze Heiducken-Stämme wurden im Spätmittelalter im Gebiet des heutigen Dalmatien heimisch, wo sie sich als “Uskoken” (Aufständische) heftige Seeschlachten mit den Venezianern lieferten. Deren florierender Handel mit dem osmanischen Sultan wurde dadurch erheblich gestört - was wiederum der Wiener Kaiserhof mit grosser Freude und geneigtem Wohlwollen zur Kenntnis nahm.
Überbleibsel der Heiducken-Kultur finden sich heute noch im Wappen von Tanz- und Fussballvereinen wieder. Hajduk Split aus Kroatien und Hajduk Kula aus Serbien sind zwei Beispiele.


I

Izetbegovic, Alija (1925-2003)
War von 1990 bis 1992 Präsident der Republik Bosnien und Herzegovina und von 1992 bis 2000 führendes Mitglied des siebenköpfigen, kollektiven Staatspräsidiums Bosnien-Herzegowinas.
Mitbegründer der bosnisch-muslimischen Partei SDA. Im Jahre 1992 erklärte er im Ergebnis eines international überwachten Referendums in Bosnien-Herzegowinas die Unabhängigkeit seines Landes.
Im darauf folgenden Bürgerkrieg bis 1995 vertrat Izetbegovic zuerst eine tolerante multiethnische Politik, die darauf ausgerichtet war, auch bosnische Serben und Kroaten in den Abwehrkampf gegen den serbischen Aggressor Slobodan Milosevic einzubinden.
Als Resultat fortschreitender Radikalisierung auf allen Seiten und als Reaktion auf eine zunehmend aggressive kroatische Haltung in der Herzegowina, hob Izetbegovic seinerseits Ende 1994 den Grundsatz der Gleichbehandlung von muslimischen und nicht muslimischen Angehörigen der bosnischen Armee auf, was zu einer zunehmenden Diskriminierung der bosnischen Christen führte.
Während zahlreiche Historiker darauf verweisen, Izetbegovic habe sein politisches Lebenswerk darauf ausgerichtet, den traditionell toleranten und westlich geprägten bosnisch-herzegowinischen Islam in Richtung einer europäischen Integration zu führen, halten andere Izetbegovic, der unter Titos Kommunisten wegen Staatszersetzung zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt war, für den Wegbereiter eines konservativ-islamischtisch ausgerichteten Bosnien-Herzegowinas.

Inseln
Die kroatischen Inseln befinden sich vor der Küste Istriens und Dalmatiens in der Adria. Die kroatische Küste gilt weltweit als eine der zerklüftetsten Küsten überhaupt. Insgesamt befinden sich vor der Küste Kroatiens 1246 Inseln, Eilande und Felsen. Lediglich 47 Inseln sind bewohnt.
Die Küstenlänge aller kroatischen Inseln beträgt 4398 Kilometer. Die Küstenlänge des kroatischen Festlandes beträgt im Vergleich dazu 1778 Kilometer. Die Gesamtküstenlänge in Kroatien beträgt somit 6176 km.
Spanien (inklusive Malle), etwa, hat Küste in einer Gesamtlänge von 4964 Kilometern.



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